Sommer 1995: Das Klingeln des Eiswagens hallt durch die Straße. Am Kiosk hängt die bunte Langnese-Eiskarte, und die Auswahl fällt schwer zwischen Magnum, dem neuen Solero Exotic und dem klassischen Flutschfinger. Die 90er Jahre markierten für Langnese eine entscheidende Wende: Eis wurde erwachsen.
Während das Langnese-Eis der 70er Jahre experimentell war und die Eissorten der 80er den Wassereis-Boom brachten, etablierte sich in den Neunzigern eine neue Kategorie: das Premium-Eis für Erwachsene. Was machte 90er-Eis anders als damals und heute? Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Zeitreise, mit allen Kult-Sorten, Original-Eiskarten, Preisen in D-Mark und der Frage: Warum schmeckte Eis früher eigentlich anders?
Inhaltsverzeichnis
- Langnese in den 90ern
- Die Magnum-Revolution
- Die Top-10 Kult-Eissorten
- Tropische Versuchung
- Viennetta – das Haushaltseis
- Original-Eiskarten 1990-1999
- Was kostete Eis in den 90ern?
- Eis-Kultur der 90er
- Damals vs. heute
- Häufig gestellte Fragen zu 90er-Eis
Langnese in den 90ern: Die Dekade des Premium-Eises
Die 90er Jahre waren für Langnese wirtschaftlich erfolgreich. Das Unternehmen gehörte zu den dominierenden Eismarken in Deutschland. Wie stark genau, darüber variieren die Angaben, doch Langnese und Schöller teilten sich nach verschiedenen Branchenberichten den Löwenanteil des deutschen Marktes.
Was die 90er auszeichnete: Premium-Positionierung durch Magnum (seit 1989), kontinuierliche Sortimentsexpansion mit tropischen Geschmacksrichtungen und eine Design-Evolution. 1998 ersetzte das Herzlogo die klassische rot-weiße Markise, die seit den 1960er Jahren das Markenzeichen war. Das Werk Heppenheim lief auf Hochtouren, während die Produktion in Hamburg-Wandsbek bereits seit 1985 geschlossen war.
| Jahrzehnt | Charakteristik |
|---|---|
| 70er | Experimentierphase (Dolomiti, Grünofant) |
| 80er | Wassereis-Boom (Flutschfinger, Calippo-Start) |
| 90er | Premium und Exotik (Magnum-Durchbruch, Solero) |
Die 90er machten Eis vom Kindersnack zur Genuss-Kategorie für alle Altersgruppen. Diese Entwicklung prägte die deutsche Eiskultur nachhaltig und stärkte Langnese Positiun als Marktführer im Premium-Segment.
Die Magnum-Revolution: Wie ein Eis alles veränderte
1989 kam Magnum nach Deutschland, doch erst in den 90ern wurde es zum Phänomen. Was machte Magnum revolutionär? Die Zielgruppe waren nicht Kinder, sondern Erwachsene. Die Positionierung setzte auf Luxus statt Alltag. Mit 2,00 bis 2,50 DM war es bewusst teurer als Standard-Eis. Das Marketing fokussierte sich auf Sinnlichkeit, Genuss und Premium-Ästhetik.
Magnum-Varianten der 90er umfassten Magnum Classic (1989) als Originalstar, Magnum White (1991) mit weißer Schokolade als Innovation, Magnum Almond (1992) mit Mandelsplittern und Magnum Mini (1997) als Portionsgröße für zwischendurch. Der Preis im Kontext: Während ein Flutschfinger 50 bis 60 Pfennig kostete, verlangte man für Magnum das Vierfache.

Ein bewusster Bruch mit der Eis-Tradition, und ein Erfolgsmodell, das bis heute funktioniert. Die Neunziger waren eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Konsumenten waren bereit, für Qualität mehr zu zahlen (siehe den Nogger-Index des Spiegel). Magnum bediente dieses Bedürfnis perfekt und machte Eis vom Kinderprodukt zum Lifestyle-Statement.
Die Top-10 Kult-Eissorten der 90er im Detail
Neben Magnum prägten diese Sorten die 90er-Eis-Landschaft und sind bis heute in Erinnerung geblieben:
| Eissorte | Besonderheit 90er | Preis (DM) | Heute |
|---|---|---|---|
| Solero (Exotic) | Launch 1995, der Tropen-Hit | 2,50 | Verfügbar |
| Calippo | In den 90ern mit Cola, Kirsch, Fizz | 1,00-1,50 | Verfügbar |
| Cornetto | Neue Varianten: Erdbeer (1995) | 1,70-1,50 | Verfügbar |
| Viennetta | Haushaltseis-Boom | 3,50-4,50 | Verfügbar |
| Ed von Schleck | Push-Up-Eis am Peak | 1,00-1,30 | nicht verfügbar |
| Split (Cuja Mara) | Vanille-Maracuja-Kombi | 1,00-1,50 | nicht verfügbar |
| Flutschfinger | 90er = Mehrfarbig-Ära | 0,60-0,70 | Verfügbar |
| Capri | Orange-Klassiker weiter stark | 0,50-0,80 | Verfügbar |
Wichtiger Hinweis zu Dolomiti: Das Kult-Eis der 70er und 80er war in den frühen 90ern nicht verfügbar (Produktionsstopp 1987). Ein Comeback-Versuch 1994/95 mit veränderter Rezeptur (Stachelbere statt Waldmeister) floppte. Erst seit 2014 gibt es Dolomiti wieder mit Original-Geschmack. Diese Information wird häufig falsch dargestellt, da viele das Eis mit den 90ern assoziieren, obwohl es damals kaum erhältlich war.
Tropische Versuchung: Solero, Calippo und die Frucht-Welle
Während Magnum auf Schokolade und Sahne setzte, eroberten zeitgleich tropische Fruchteissorten die Kühltheken. Der Solero-Effekt: 1995 kam Solero Exotic und traf den Zeitgeist perfekt. Maracuja, Pfirsich, Ananas: Geschmacksrichtungen, die damals noch exotisch klangen. Das Eis kombinierte cremiges Vanilleeis mit Fruchtsorbet, eine Textur-Kombination, die neu war.
Solero Shots (1999 bis 2004): Die Solero-Eiskügelchen in der Dose kamen erst spät in den 90ern, verschwand aber nach wenigen Jahren wieder. Zu kompliziert in der Handhabung? Die genauen Gründe sind unklar, doch das Produkt wurde später durch Calippo Shots ersetzt, und auch die gibt es heute nicht mehr.
Calippo-Varianten: Das 1984 eingeführte Calippo erlebte in den 90er eine Erweiterung der Geschmacksrichtungen. Neben den klassischen Sorten Zitrone und Orange kamen Calippo Cola, Calippo Kirsch und Calippo Fizz (prickelnd) hinzu. Warum Fruchteis im Freibad dominierte: Wassereis war schneller gefroren, günstiger und perfekt für heiße Tage. Sahneeis schmolz zu schnell, Fruchteis blieb länger fest.
Viennetta: Als das Haushaltseis elegant wurde
1983 eingeführt, erlebte Viennetta in den 90ern seinen kulturellen Höhepunkt. Was machte Viennetta besonders? Die Optik: Geschichtetes Eis mit Schokoladenlamellen. Die Positionierung: Das elegante Dessert für besondere Anlässe. Der Preis: 3,50 bis 4,50 DM, deutlich teurer als Einzelportionen. Das Marketing: TV-Spots zeigten es als festliches Dessert.

Viennetta in der 90er-Alltagskultur: Kindergeburtstage, Familienessen, Sonntagsdessert. Viennetta hatte einen festen Platz. Es war das Eis, das man nicht am Kiosk kaufte, sondern im Supermarkt für zuhause. Eine weitere Haushaltseis-Sorte ist Cremissimo. Es startette 1990 mit deutlich hochwertigeren Zutaten und einer Familie-Packungen (1-Liter).
Warum Haushaltseis in den 90ern wuchs: Tiefkühltruhen waren Standard in deutschen Haushalten geworden. Eis zu bevorraten war keine Luxusfrage mehr. Die Deutschen gaben mehr Geld für Lebensmittel aus und legten Wert auf Qualität auch beim Nachtisch.
Original-Eiskarten 1990-1999: Die visuelle Zeitreise
Jedes Jahr veröffentlichte Langnese neue Eiskarten, die eine bebilderte Übersichten aller verfügbaren Sorten mit Preisen zeigen. Diese Karten hingen in jedem Kiosk, an jedem Freibad-Verkaufsstand und wurden von Kindern studiert wie Schatzkarten.










Jahres-Highlights (soweit dokumentiert): 1990 noch mit Markisen-Logo und knapp 40 Sorten. 1995 erschien Solero Exotic erstmals auf der Karte. 1998 erfolgte die Umstellung auf das Herzlogo. 1999 feierte Solero Shots seine Premiere auf den Eiskarten.
Was die Eiskarten zeigen: Design-Evolution von statisch-bunt zu tropisch-dynamisch. Preisschwankungen über die Dekade. Neue Sorten, verschwundene Klassiker. Wechselnde Geschmacksrichtungen bei Standardsorten. Sammlermarkt heute: Original-Eiskarten aus den 90ern werden auf eBay für 150 bis 400 Euro gehandelt, ein Zeichen für ihren Nostalgie-Wert.
Langnese Logo-Wechsel 1998: Von der Markise zum Herz (Heartbrand)
Ein Detail, das vielen beim Blick auf alte Eiskarten sofort auffällt, ist das neue Langnese Herz-Logo (Heartbrand) im Jahr 1998. Bis in die späten 90er prägte die rot-weiße Markise das Erscheinungsbild auf Verpackungen, Eistafeln und Werbemitteln. Im Sommer 1998 begann Langnese dann, die Markise in mehreren Ländern durch ein Herz-Signet zu ersetzen. Die Markenkampagne von der Agentur McCann-Erickson, soll Harmonie und Emotionen vermitteln, als Symbol international funktioniere und von Kindern wie Erwachsenen direkt verstanden werden. Dieser Schritt war Teil einer globalen Markenstrategie von Unilever, die unterschiedliche Landesmarken im Eisgeschäft visuell stärker zusammenführen sollte. [Quelle]
Wenn du also Eiskarten oder Verpackungen aus den 90ern datieren willst, ist 1998 ein praktischer Marker. Markise bedeutet in der Regel vor 1998. Herz bedeutet in der Regel ab 1998. Besonders spannend ist, dass dieser Wechsel mitten in der Dekade stattfand, in der Langnese sein Sortiment stärker international ausrichtete. Das passt gut zur 90er-Idee von globalen Marken, neuen Exotik-Sorten und einem einheitlicheren Look.

Was kostete Eis in den 90ern? Preise in D-Mark
Wer in den 90ern am Kiosk stand, rechnete in D-Mark, und die Preise varierten je nach Eissorte deutlich. Typische Preisspannen (90er-Durchschnitt):
| Kategorie | Preis (DM) | Beispiele |
|---|---|---|
| Einfaches Wassereis | 0,30 – 1,00 | Capri, Calippo, Flutschfinger |
| Standard-Sahneeis | 1,00 – 1,50 | Nogger, Domino |
| Premium-Eis | 1,50 – 3,00 | Cornetto, Magnum, Gino Ginelli |
| Haushaltseis (Packung) | 3,50 – 5,00 | Viennetta, Cremissimo |
Kaufkraft-Kontext: Ein Magnum für 2,00 DM entsprach etwa 10 bis 15 Minuten Arbeitszeit bei durchschnittlichem Stundenlohn Mitte der 90er. Heute kostet Magnum circa 2,50 Euro, bei höherem Lohn prozentual günstiger als damals.
Preisentwicklung innerhalb der 90er: Die Preise blieben relativ stabil. Inflation war in den 90ern moderat, ein Magnum kostete 1991 und 1999 etwa gleich viel. Regionale Unterschiede gab es durchaus: Kioske konnten Preise leicht variieren, Freibäder verlangten oft 10 bis 20 Pfennig mehr als der Supermarkt.
Eis-Kultur der 90er: Freibad, Kiosk und TV-Werbung
Freibad und Kiosk: Die Eis-Rituale
Wer an 90er-Eis denkt, denkt an den Kiosk. Die bunten Eiskarten hingen an der Wand, dahinter die Tiefkühltruhe mit den gefrorenen Schätzen. Das Ritual verlief immer gleich: Zur Kasse gehen mit Kleingeld. Vor der Eiskarte stehen und überlegen. Einmal Magnum bitte, oder doch den günstigeren Flutschfinger? Das Eis war schon halb geschmolzen, bis man am See ankam.
Der Eiswagen: Manche Viertel hatten regelmäßige Eiswagen, das klingeln war der Sommerklang schlechthin. Schnell, der Eismann kommt! Ein Satz, der Kindheitsadrenalin auslöste. Die Melodien der Eiswagen sind bis heute in Erinnerung geblieben und lösen sofort Nostalgie aus.
TV-Werbung: Eis als Lifestyle
Langnese setzte in den 90ern auf emotionale TV-Spots. Like Ice in the Sunshine, der 1985 eingeführte Kultsong, lief weiter und wurde zur Hymne der Eis-Generation. Magnum-Kampagnen setzten auf Luxus, Sinnlichkeit und Schwarz-Weiß-Ästhetik. Viennetta-Spots zeigten elegante Dinner-Szenen. Solero-Werbung beschwor Strand, Palmen und Exotik.
Neu in den 90ern war der Spot „So schmeckt der Sommer“. Er fühlte sich näher am echten Leben an. Freibad, Badesee, Freunde, Sonne und ein Eis in der Hand. Genau so, wie viele ihren Sommer erlebt haben. Es ging nicht um eine einzelne Sorte, sondern um das Gefühl dahinter. Eis als kleiner Glücksmoment an einem warmen Tag. Der Satz blieb hängen, weil er einfach passte. Für viele ist er bis heute untrennbar mit Kindheit, Ferien und langen Sommertagen verbunden.
Was die Werbung unterschied: Während Konkurrent Schöller auf Familie und Bodenständigkeit setzte, inszenierte Langnese Eis als Lifestyle-Produkt, erwachsen, genussvoll, emotional. Diese Strategie war außerordentlich erfolgreich und prägte das Image nachhaltig.
Damals vs. heute: Was überlebte, was verschwand
Was ist aus den Kult-Sorten der 90er geworden? Die meisten Bestseller gibt es noch heute, alledings mit Veränderungen:
| Sorte | Status 2025 | Veränderungen |
|---|---|---|
| Magnum | Bestseller | Deutlich mehr Varianten (Salted Caramel, Vegan) |
| Solero Exotic | Unverändert | Rezeptur weitgehend gleich |
| Cornetto | Weiter stark | Mehr Geschmacksrichtungen |
| Viennetta | Verfügbar | Packung etwas kleiner geworden |
| Flutschfinger | Klassiker | Unverändert |
Verschwundene Sorten: Solero Shots (1999 bis 2004), die Push-Up-Version wurde eingestellt. Calippo Shots, der Nachfolger, verschwand ebenfalls. Calippo Fizz und Kirsch sind nicht mehr verfügbar, nur noch Standard-Sorten. Ed von Schleck im Original existiert nicht mehr, nur noch eine Haribo-Variante.
Comeback-Sorten: Dolomiti kehrte 2014 mit Original-Rezept zurück. Brauner Bär wurde mehrfach wieder eingeführt. Was hat sich wirklich geändert? Portionsgrößen sind tendenziell größer (Magnum: 110ml früher, heute teilweise 120ml). Inhaltsstoffe enthalten weniger künstliche Aromen, mehr natürliche Zutaten. Preise absolut sind höher (Magnum: 2,00 DM zu 2,50 Euro). Preise relativ zur Kaufkraft sind eher günstiger. Die Vielfalt ist deutlich größer mit mehr Sorten und Varianten.
Warum schmeckte Eis früher anders? Mögliche Gründe: Kindheitsgeschmack wird intensiver erinnert. Tatsächlich gab es ander Rezepturen mit mehr Zucker und künstlichen Aromen. Der Kontext spielte eine Rolle: Eis war seltener, daher besonderer. Diese Faktoren zusammen erklären das Gefühl, dass Eis früher besser schmeckte.
Häufig gestellte Fragen zu 90er-Eis
Weiterfürende Links
- Langnese Eis der 70er Jahre: Alle Kult-Eissorten von 1970-79
- Langnese Eis der 80er Jahre: Alle Kult-Eissorten
- Die Geschichte von Langnese (Offizielle Website)
- Stiftung historische Museen Hamburg: Mehr zur Marke Langnese
Langnese Eis der 90er Jahre, alle Kult-Eissorten von Magnum bis Solero. Erinnerst Du Dich? Erzähle uns über Deine Erinnerung an damals.
Langnese Kult-Eis der 90er: Von Magnum bis Solero...Erinnerst Du Dich? Erzähle uns über Deine Erinnerung an damals. Zum Kommentar. Lieben Dank!!!

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